NEWSLETTER DEZEMBER 2023

Liebe alle,

ich arbeite nun seit über einem Jahrzehnt mit meiner schamanischen Arbeit im eigenen Heilraum und habe diese Arbeit immer wieder dem Kunst- und Kulturbetrieb geöffnet, da es einer meiner größten Freuden ist, in Gemeinschaft neue Erfahrungsräume herzustellen und auch kreative neue Wege zu gehen.   

 Jüngst habe ich in diesem Zusammenhang - einmal wieder - eine Diskriminierung von schamanischer Arbeit erfahren, die mir erneut vor Augen geführt hat, wie wenig meine Berufsgruppe in unserem Kulturkreis einfach nur ihre Arbeit machen kann. Es ist für mich als praktizierende Schamanin dabei nicht nachvollziehbar, mit welcher scheinbar großen Unbewusstheit und welcher Selbstgewissheit diese Diskriminierungen von der Zunge gehen. Dahinter steckt meiner Ansicht nach vor allem eine Unkenntnis davon, was Schaman*innen eigentlich tun, weiterhin eine Unkenntnis davon, was in den Heilräumen von mir und meinen Kolleg*innen eigentlich stattfindet und was für Prozesse wir begleiten. Und nicht zuletzt - und bezogen auf unsere Kultur vor allem entscheidend - formulieren sich nicht selten in diesen Diskriminierungen Ansichten, die ein koloniales Erbe unseres Kulturkreises fortsetzen statt es aufzuarbeiten.  

Wir müssen uns als Schamaninnen und Schamanen gegenüber unserem eigenen Kulturkreis für unsere Existenz in dieser Kultur nicht rechtfertigen. Wir müssen auch nicht unqualifizierte und herabsetzende Äußerungen gegenüber unserer Arbeit hinnehmen, insbesondere, was einen alternativen Weltzugang betrifft, der unserer Arbeit inhärent ist. Wir leisten in und für diesen Kulturkreis und für die Erde eine wesentliche Care Arbeit. Wir verdienen für diese Arbeit von unserer eigenen Kultur Respekt.  

Ich teile diese meine Geschichte hier mit Euch, denn es ist wichtig, dass darüber nicht mehr geschwiegen wird. Ich teile diese Geschichte auch für meine Ahninnen und Ahnen, die mit mir in meinem Heilraum arbeiten und denen ich diese Klarheit und die Anerkennung ihres Erbes schuldig bin. 

Es reicht mir, Eure Lina geht in den Streik!

Ich stelle unserem Kulturbetrieb meine schamanische Arbeit nicht länger zur Verfügung. Ich werde solange streiken, bis sich eine Diskussion um eine Sensibilität für die Diskriminierung meiner Berufsgruppe und eine Sensibilität für den kolonialen Gestus entwickelt, der sich in dieser Diskriminerung verbirgt. Dekolonialisierung beginnt in der eigenen Kultur. Dafür werde ich mich ab jetzt einsetzen.   

Und natürlich bin ich nach wie vor mit meiner Arbeit in meinem Heilraum für Euch da <3

Habt eine gute Zeit, 

Eure Lina 

Lina Launhardt